Holland und Belgien auf dem Rad [Sommer 2009]


Beverlo, 80 km

Dienstag, 11.8. 2009

Friedlich erwacht der kleine Stadtcampingplatz "De Molen" aus seinem Schlummer.

Kurz darauf kassiere ich mal wieder einen Rüffel vom Rezeptionisten, bei dem ich mich kurz nach 8:00, wie von der freundlichen älteren Dame empfohlen, melde. Aber diesmal wird es billiger. Ich komme mit knapp 10 € davon.

Danach machen wir uns auf den Weg zum Prinz-Albert-Kanal, auf dessen ehemaligen Treidelpfaden wir Maastricht erreichen wollen.

Irgendwo kurz vorm Tunnel ist Tim verschwunden, nachdem er schon mal kurz vorgefahren war, während ich Fotos gemacht hatte. Ron und ich fahren durch den Tunnel und warten auf der anderen Seite gute 10 Minuten. Tim bleibt jedoch verschwunden. Am Tunneleingang frage ich einen Radfahrer nach dem Weg zum Kanal, und er schlägt vor, dass wir gemeinsam fahren, da er in die gleiche Richtung muss und den Weg einigermassen kennt.

Doch zunächst müssen wir Tim suchen. Derick, so heisst der Belgier, wartet derweil bei einer Tasse Kaffee geduldig auf uns am Tunnel.

Nach vielem Hin und her finden wir den Vermissten. Alle sind erleichtert, aber ich neheme mir vor, bei einer möglichen nächsten Tour dieser Art darauf zu bestehen, dass jeder ein Handy dabei hat.

Gemeinsam mit Derrick, der heute bereits 50 km gefahren ist und kaum Gepäck hat, folgen wir der "LF51", der sogenannten "Kempenroute", zum Kanal. Kurz bevor wir den Kanal erreicht haben, hat Tim einen Platten und beginnt zu flicken. Ron besorgt Burger. Derick, der praktisch ohne Gepäck reist und daher ohnehin viel schneller ist, als wir, verabschiedet sich.

Dann folgen auch wir dem Kanal auf dem linken Ufer, wie von Derrick empfohlen. Relativ schöne Abschnitte wechseln sich ab mit Industriegebieten. Manchmal haben wir Bahngleise oder Güterwaggons neben uns oder müssen ein Betriebsgelände komplett umfahren.

Einzige Anhaltspunkte zur Orientierung sind Brücken, die an der Unterseite manchmal den Namen des nächsten Ortes tragen. Von Zeit zu Zeit treffen wir auf eine Schleuse. Hier geht es jedesmal ca. 8 m recht steil hinauf, was für Tim, der seit Montag wieder mit dem Anhänger betraut ist, recht anstrengend ist.

Es stellt sich heraus, dass hier am Kanal Campingplätze eher selten sind. Einer der Belgier, die wir fragen, erinnert sich, einmal auf einem Platz etwa 50 km von hier, in Valkenburg, gewesen zu sein. Wahrscheinlich, nachdem ihm die Konsequenzen seiner Aussage bewusst werden, lädt er uns ein, in seinem Garten zu campieren. Eigentlich ist Paul gerade dabei, Aale zu angeln, aber kurzentschlossen fährt er mit seinem Camper voran zu seinem Heim im nahegelegenen Beverlo, nachdem er uns einen "Planeke" vom Weg gezeichnet hat.

Wir bauen die Zelte auf dem Rasen hinter seinem Haus auf und werden dabei schon mal mit einem belgischen Starkbier (8%) versorgt. Paul empfiehlt die nahegelegene "Kastelche" , wo wir Pfannkuchen mit Eis und dazu weitere Dunkelbiere bekommen.

Später trinken wir noch ein Bier und ein Fläschchen Limonchello mit Paul, wobei wir angeregt über Reisen und viele andere Themen plaudern. Auch Tim und Ron, die anfangs vielleicht etwas skeptisch über so viel unverhoffte Gastfreundschaft dreinblickten, tauen nun schnell auf.